15.01.2024

Die Geschichte des natürlichen Färbens

Etwa um 10.000 v. Chr., während der Jungsteinzeit, begann weltweit die Nutzung von Farben aus natürlichen Quellen. Höhlenwände, Muscheln, Steine und Federn wurden mit mineralischen Pigmenten bemalt, doch die Farbe blieb oberflächlich und verband sich nicht mit den Materialien. Die frühe Verwendung dieser Technik ist schwer zu datieren, da schriftliche Belege fehlen und gefärbte Materialien oft verfallen, es sei denn, sie wurden speziell konserviert.

 

Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen über Farben stammen aus China um 2600 v. Chr. Dort fand man Rezepte für rote, schwarze und gelbe Farbmittel. In ägyptischen Gräbern vor den Inkas wurden Reste von natürlichen Farbstoffen entdeckt. Biblische Hinweise und Schriften von historischen Persönlichkeiten wie Alexander dem Großen erwähnen gefärbte Gewänder.

 

Im Mittelalter haben pfanzenkundige Menschen, darunter Heilerinnen und Naturfärber, Leibwäsche in Pflanzengebräue getränkt, um deren Heilkräfte zu übertragen. Vieles dieses Wissens wurde als Hexerei verunglimpft und im Geheimen weitergegeben. Aufgrund dessen ist vieles vom Wissen unserer Vorfahren verloren gegangen. 

 

In jeder Region und Epoche gab es charakteristische natürliche Farbmittel und Fasern, abhängig von den vorhandenen Ressourcen. Beispielsweise lieferten Pflanzen und Tiere in verschiedenen Regionen einzigartige Farben wie das lebhafte Karminrot (Cochenille oder Schildlaus) oder das seltene Dunkelblau der Indigopflanze.

 

Die Farbpalette entwickelte sich eng mit der Entdeckung neuer Beizmittel. Alaun und Eisen wurden im alten Ägypten und Indien als Beize verwendet. Im Mittelalter nutzten Färber Eisen, Kupfer (giftig!), Alaun und Zinn (auch giftig!). In Gebieten, in denen Metalle knapp waren, griff man auf Beizen aus Rhabarber, Moosfarn oder Galläpfeln zurück.

 

Durch Handelswege gelangten tropische Färbematerialien nach Europa. Mit der industriellen Revolution begann im 18. Jahrhundert die Massenproduktion, befriedigend die Nachfrage der Wohlhabenden, die sich leuchtende Farben leisten konnten. So entwickelte sich die Geschichte des natürlichen Färbens von den Ursprüngen in der Jungsteinzeit bis zur industriellen Revolution.

 

Die Revolution in der Färbemittelindustrie: Vom Handwerk zur Chemie 

 

Mit dem Einzug von Maschinen in Textil- und Papierfabriken stiegen die Anforderungen an die Qualität und Farbbeständigkeit der Färbemittel. Chemiker begannen im 19. Jahrhundert, Farbpartikel zu isolieren und zu extrahieren, um intensivere Farben herzustellen. Die Entdeckung synthetischer Farbstoffe begann mit dem britischen Chemiker William Perkins, der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Experimenten mit Anilin, einem Kohleteer-Derivat, den ersten synthetischen Farbstoff, Mauvein, entwickelte. Diese Entdeckung leitete eine Ära ein, in der zahlreiche chemisch hergestellte Farbstoffe die Natürlichen verdrängten. Dennoch überlebten handwerkliche Methoden, insbesondere durch die Arts-and-Crafts-Bewegung von 1880 bis 1920. Diese Bewegung, geleitet von Pionieren wie William Morris, strebte die Wiederbelebung traditioneller Handwerkskünste an. Morris bevorzugte pflanzliche Farbtöne und nutzte natürliche Farbstoffe wie Indigo, Walnuss, Cochenille und Krapp für seine Kunstwerke. Besorgt über Umweltverschmutzung durch die Industrie, setzte er auf traditionelle, umweltfreundliche Färbetechniken und kümmerte sich um das Wohl seiner Arbeiter. Die Entwicklung von chemisch hergestellten Farbstoffen mag den Weg zur billigen Massenproduktion geebnet haben, aber die handwerklichen Traditionen behielten ihren Platz im Streben nach Qualität und Umweltfreundlichkeit.

 

 

09.09.2023

Die Welt der Naturfarben und die Probleme durch die Textilindustrie

Die Machenschaften der Textilindustrie

Jedes Jahr landen mehr als 1,1 Millionen Tonnen Textilien in der Altkleidersammlung und vieles mehr auf Verbrennungsdeponien außerhalb Europas. Viele davon wurden nicht einmal verkauft oder getragen. Je billiger, desto mehr Teile für den Konsument.

Bei der Herstellung eines Tshirts werden ca. 2.700 Liter Wasser eingesetzt. Mit giftigen Chemikalien verunreinigtes Wasser, was nicht wieder aufbereitet werden kann und vieles davon im Meer und schließlich wieder in unsere Ernährung und Trinkwasser landet.

Über 8000 verschiedene Chemikalien werden für die Produktion eingesetzt, der Großteil davon umweltschädlich und nicht biologisch abbaubar. Darunter sind Schwermetalle (Chrom, Kupfer, Arsen...), verschiedene Mikroplastikteilchen und Farbstoffe, die auf Abfallstoffen der Kohleherstellung basieren. Diese Chemikalien tragen wir Tag für Tag auf unserer Haut, unserem größten, absorbierendem Organ. Sie führen zu zahlreichen Krankheitsbildern. Asthma, Neurodermitis und Krebs. 

Die Textilien haben bis sie in den Läden unserer Einkaufsmeilen landen eine Weltreise hinter sich. Von der Ernte der Faser, bis zum spinnen und weben der Tuche und Garne über das Färben der Stoffe und vernähen der Textilien bis hin zu endausgerüsteten Ware in dem Laden, legen die Materialien einen Zickzackkurs über unseren Planeten zurück. Die Menschen die diese Textilien herstellen bekommen meist wenig Lohn und arbeiten unter gefährlichen und krankmachenden Bedingungen. Kinderarbeit und Ausbeutung ist an der Tagesordnung.

In Deutschland hingegen stirbt die verarbeitende Textilindustrie aus, die einst so hoch floriert hat. Die Gegebenheiten zur Herstellung von Textilien wären noch gegeben. Aber kaum einer vermag mehr die Maschinen zu bedienen und kennt die Färbe-Rezepte. 

Eigene Erfahrungen

Während meiner Ausbildung zur Produktdesignerin begann mein Interesse für nachhaltige Nutzung unserer wertvollen und endlichen Werkstoffe und Ressourcen bereits zu wachsen. Meine Leidenschaft für Textilien führte mich für meinen ersten Job als Textildesignerin in eine Stoffdruckerei. Dort bekam ich tiefere Einblicke in die Textilindustrie. 

Ich sah die Berge der Fehl- oder überproduzierten Stoffrollen, welche außer der Zerkleinerung zu Füllmaterial für die Automobilindustrie kaum weitere Verwendung fand. Manche Designer und große Modehäuser bringen monatlich, manche sogar wöchentlich neue Kollektionen heraus. Das neuste, das begehrenswerteste kurbelt die Kaufkraft der Konsumenten an. Gestern ist schnell out. Nachhaltig produzierte Stoffe waren eher Mangelware. 

Bei einem Besuch in einem Textilgroßhandelszentrum in der Nähe von Łódź in Polen bekam ich die Massen der Überproduktion visuell zu spüren. Ein Fact der durchaus bekannt ist, aber es gab keinerlei Skrupel Designs von einem Hersteller fast 1:1 zu kopieren und direkt gegenüber zu vermarkten. Der Geruch von Formaldehyd und weiteren Chemikalien stand nur so in den elf Fußballfelder großen Hallen.

Mir war klar, dass ich so nicht mehr weiter arbeiten wollte. 

 

2020 begann ich wochenends eine Ausbildung zur zertifizierten Kräuterführerin, ich vertiefte mein damals sehr geringes Wissen um Heil- und Wildkräuter. Diese schloss ich damals noch während meiner Schwangerschaft mit meinem Sohn ab.

Bewegt dazu haben mich nicht nur meine sowieso schon bereits ökologische, naturnahe Einstellung bewegt, sondern auch mein seit 2014 ausgeübtes mein Hobby Reenactment (mittelalterliche Darstellung nach Fund basierten Grundlagen) bei dem ich in ersten Kontakt mit Pflanzenfärberei und Kräuterkunde kam und fasziniert war. 

 

Angetrieben durch eigene Probleme mit der Gesundheit, dem Wunsch in der Welt etwas Gutes zu bewirken und als Mutter eines Kleinkindes befasse ich weiterhin mit nachhaltigen und gesundheitsfördernden Themen. 

Aktuell ist es besonders meine Leidenschaft zu Textilien, zum Nähen und kreativen Experimentieren mit Pflanzenfarben. 

 

Ich liebe meine Selbstständigkeit als Kräuterführerin, doch ich möchte in Zukunft meinen Schwerpunkt auf Naturfarben, - fasern und ihre Auswirkung auf unsere Gesundheit legen. 

 

Denn es muss nicht sein, dass wir unserer Haut und unserem Organismus toxische Textilien aus aller Welt zumuten.

 

Mein Ziel:

- Alternativen zur synthetischen Stoffen und Farben zu zeigen in Vorträgen und Beiträgen

- Begeisterung für das Färben, Drucken und malen mit Pflanzenfarben zu entfachen bei Workshops

- Bewusstsein für die regenerative, nachhaltige Nutzung der wertvollen Ressourcen unserer Erde zu verbreiten

 

Ich selbst produziere pflanzengefärbte Einzelstücke möglichst regional, saisonal und schadstoffrei.

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